Sorry aber ein anderer Titel ist mir grade nicht eingefallen.
Mir fällt es immer wieder auf, dass Blogs, die ich früher gerne gelesen habe, mittlerweile nur noch die selbe Leier abspielen. Ich halte es nicht für angebracht die Leute, die diese Blogs führen, direkt zu anzusprechen oder zu verlinken. Wozu auch? Ist doch besser wenn jeder ein Bisschen darüber nachdenkt was er so von sich gibt.
Scheinbar ist es nun trendy alles zu kritisieren was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Das beruhigt, und bringt einem im Zweifelsfall ein paar neue Leser. Es wird kritisiert was das Zeug hält: Medienunternehmen, Zeitschriften, Parteien, Blogs und Onlineangebote und auch freie Software: Alles ist durchweg Scheiße. Alles ist doof und früher war ja eh alles besser und sowieso geht schlichtweg alles in die falsche Richtung. Und um diese Einstellung weiter zu untermalen wird pauschalisiert, polemisiert und behauptet ohne auch nur ansatzweise konstruktiv sein zu wollen.
Für einen halbwegs aufgeklärten Menschen ist es klar: In Zeiten von Schaeuble und dessen Schreckensliste, immer weiterer Einschränkungen der Privatsphäre und immer weniger persönlicher Freiheiten fällt es nicht schwer Zündstoff zu finden. Es gibt wirklich viel es was man als Scheiße einstufen könnte. Diese Dinge kann und sollte man auch kritisieren. Kritik an sich ist auch gut und notwendig, wenn sie dazu dient die Gesamtsituation zu verbessern. Wenn es sich um konstruktive und nicht um destruktive Kritik handelt. Leider handelt es sich meistens um die zweite Version.
Auch gibt es gewisse Änderungen oder Richtungen in Sachen freier Software, die ich nicht unbedingt toll finde. Aber muss ich mir darum immer und immer wieder darüber das Maul zerreißen? Ist es nicht effektiver einmal konstruktiv zu kritisieren oder die Leute zu informieren als sich nur dauernd zu wiederholen? Sollte man nicht eher handeln als nur zu motzen?
Vor allem in Sachen freier Software kann ich so etwas nicht nachvollziehen. Wenn euch $software nicht gefällt, wieso schafft ihr dazu keine Alternative? Es steht euch frei den Sourcecode zu nehmen, das Projekt zu forken und nach den eigenen Vorstellungen zu ändern. Oder man schafft gleich eine komplett selbst geschriebene Alternative. Einfach mal angenommen man würde die Zeit, die zum Lästern über freie Softwareprojekte genutzt wird, produktiv nutzen um die Software besser zu machen. Wäre das dann nicht um ein Vielfaches effektiver als diese Software dauernd schlecht zu machen? Wenn man aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht dazu in der Lage ist, wieso nutzt man die Software dann und sucht sich nichts anderes?
Irgendwie verbreitet sich hier Stammtischatmosphäre. Es wird vor allem eins gemacht: Motzen, motzen, motzen! Oft wiederholt man sich dabei. Ich sehe vor meinem inneren Auge ein paar bloggende Gestalten an einem Runden Tisch in einem rauchgeschwägerten Raum, die gegenseitig ihre Feedreader abgrasen. Immer auf der Suche nach einem neuen Ziel. Ein Projekt, das einem gegen den Strich geht, andere Blogger die einem nicht passen oder einen Artikel in $zeitung, den man standesgemäß zerreißen kann um danach $zeitung als dreckiges Blatt das man nicht lesen will hinzustellen. Natürlich kritisiert man direkt und unverblümt. Und natürlich verlinkt man auch auf die Sachen die einem nicht passen. Ist ja egal, dass es so sein könnte, dass $böserblogger so noch ein paar Leser mehr bekommen könnte. Hätte man ihn einfach ignoriert und aus dem Reader gekickt, wäre es wohl effektiver gewesen.
Alles in allem bin ich tierisch gelangweilt. Gelangweilt von vielen oft trivialen und unwichtigen Themen, die immer wieder ausgegraben werden. Gelangweilt von reißerischen Überschriften, die nur Diskussionen in den Kommentaren ansticheln sollen. Gelangweilt von fehlender Substanz.
Nun bin ich auch mal dran mit motzen, denn ich motze auch gerne mal ab und zu. Das klingt paradox, ist aber so. Ich bin auch nur ein Mensch. Darum fliegen genau diese Blogs aus meinem Feedreader. Ich hoffe mal, dass ich dann auch in Zukunft nichts mehr von ihnen hören muss.
Ich frage mich allerdings wirklich, ob sich im letzten Jahr einfach meine Wahrnehmung völlig geändert hat oder ob die Betreffenden einfach nur gemerkt haben, dass Streitthemen Leser anziehen. Da ich ersteres selbst nicht bewerten kann und mir der zweite Punkt egal ist, lass ich es auf sich beruhen.
Anmerkung: Dieser Artikel wurde am 15.08.2009 nochmals überholt. Darum haben sich neben der Formatierung auch einige Formulierungen geändert.
>Wenn euch $software nicht gefaellt, wieso schafft ihr dazu keine Alternative?
Es ist diese substantielle Kritik die Opensource überhaupt erst nötig hätte. Die fehlende Kritik, das Abwatschen von Kritikern, genau das was ESR mal als Arroganz von Opensource bezeichnete am Beispiel von Cups. Sind Opensource Systeme nur tauglich für Developer? Oder taugen Opensource Systeme auch für Normalsterbliche? Wenn letzteres der Fall ist, was soll dann diese infantile Arroganz?
Mit dieser Einstellung wird Opensource, egal welcher couleur, niemals einen Blumentopf gewinnen. Da hilft es auch nicht, wenn man Durchhalteparolen durchklopft.
Ich denke mal das du u.a. uns ansprichst, bin mal so frei das zu vermuten anhand von ein paar Eckpunkten. Nun ich glaube kaum das wir bemerkten das Streitthemen ankommen, sondern wir waren schon seit jeher recht streitbar und vor allem denkbereit. Das Medium (Blog) ist nur ein neues, der gemeinsame Nenner bei den Inhalten ist seit Jahren identisch. Ich hatte meine erste kleine Webseite mit politischen Inhalten 1997.
>Nur mal angenommen man wuerde die Zeit, die zum Laestern ueber freie Softwareprojekte genutzt wird, produktiv nutzen um die Software besser zu machen,
Nun da helfe ich beispielsweise schon mit und tue es auch heute überaus aktiv, teils schon zu Zeiten da andere noch unter dem Rechner ihres Vaters herumkrabbelten. Das ist nicht persönlich gemeint nur allgemein in Richtung all der Helden, die von Opensource schwafeln und tatsächlich nur einem Egotrip fröhnen.
>Sollte man nicht eher handeln als nur zu motzen?
Gehandelt wird doch permanent, nur kommt dabei nichts raus, weil diejenigen Angst davor hatten den Denkapparat zuvor zu nutzen, denn öffentliche Denkprozesse rufen Kritiker hervor.
Aber du willst Aktivität, nun 89 war ich schon bei den Jusos und der Gewerkschaft aktiv, später auch in der Partei recht aktiv vor Ort und versuchte da Dinge zu bewegen. Zusammen mit anderen betreute ich ein Opensource Portal für Windows, beinahe sechs Jahre usw., heute helfe ich bei DesktopBSD mit, sowie einem BSD Forum und stelle mich als Tester bei FreeBSD für waghalsige Technologien zu Verfügung ![]()
So jetzt kommst du. Ist dir vielleicht schon mal in den Sinn gekommen, das einige, wenn nicht gar viele, ein deutliches Plus an Erfahrung aufweisen und sich derartige Gedanken schon vor vielen vielen Monden gemacht haben? Nein natürlich nicht, denn das was du anprangerst vollziehst du ebenso, du beziehst dich auf deinen Mikrokosmos und verallgemeinerst, andere tun dies u.U. auch, verzeichnen jedoch eben dieses Plus an Erfahrung. Muß nicht richtiger werden deswegen, aber durchaus facettenreicher ![]()
Was du auf einem Blog siehst, egal ob der unsrige oder andere, das ist ein Ausschnitt. Es sind die Dinge die jemanden beschäftigen, worüber man nachdenkt.
>Alles in allem bin ich tierisch gelangweilt. Gelangweilt von vielen oft trivialen und unwichtigen Themen, die immer wieder ausgegraben werden. Gelangweilt von reisserischen Ueberschriften, die nur Diskussionen in den Kommentaren ansticheln.
Da könnte man philosophierend drüber herziehen, ohne willige Leser nützt die beste Überschrift nichts. Und was ist trivial? Die Bandbreite meiner Welt die mich interessiert könnte ich nicht einmal ansatzweise unterbringen, ich schreibe anderswo z.B. noch über Archäologie/Geschichte und verweise nicht einmal drauf, ganz einfach weil dort ein ganz anderes Klientel vorherrscht, das ein entsprechendes Niveau mit sich bringt.
Gegenfrage was leistest du hier auf dem Blog? Du störst wenn du eine Meinung hast, beschäftigst du dich mit trivialen Dingen schreibst du Katzencontent, machst du Werbung bist du ein Problogger etc. Sprich du bist immer schnell in einer Schublade, wenn der andere dies nicht mag oder dich nicht versteht. So auch hier, business as usual.
Viele Menschen haben aber auch einfach keine Meinug, haben sich noch nie wirklich politisch engagiert ... wo bleibt da die Aktivität, außer als Herde ein X am Wahlsonntag zu kritzeln? Und später zu fabulieren ob des vermeintlichen Weltuntergangs?
Wo ist die Konfliktbereitschaft vieler? Ja klar "wir haben doch schon soviele Konflikte", die Ausrede wenn man denn denkfaul daher kommt und Angst davor hat seine Meinung auch einmal Kritik auszusetzen. Das ist das Problem, infantile Aktionisten die bei jedem Pieps springen findest du genug - Kanonenfutter das allenfalls zu einem Lacher gereicht. Denken, das sollte einige mal und vielleicht auch zu einem öffentlichen Diskurs anregen. Nun mir scheint auch das du noch nie bei einem wissenschaftlichen Kongress zugegen warst, handfeste Streitgespräche sind dort usus. Gutmenschen sind nun einmal nicht geeignet ihre Arbeit zu verteidigen, Gutmenschen kann man auch mit ein wenig Propaganda links oder rechts herumreißen.
Auch das nur meine Meinung und selbst in diesem kurzen Kommentar beleuchte ich viele Facetten. Meckern kann jeder pfleidi, aber mit Substanz können es nur recht wenige.


