Angeregt durch einen Bericht von Bernd hab ich mich selbst mal wieder etwas mit dem Thema Medien auseinander gesetzt. Hatte ich schon ne Weile nicht mehr ... und sich staendig nur ueber sinnlose Gesetzesentwuerfe lustig zu machen wird mit der Zeit auch langweilig.
Kommt es mir nur so vor, oder ist es wirklich so, dass trotz dieser wunderbaren digitalen Welt, die Qualitaet immer weiter sinkt? Mittlerweile koennte man wirklich meinen, dass es so ist. Wenn ich diese Odysee beim einfachen Abspielen eines Musikalbums ansehe, wird das Bild noch klarer.
Unter Linux tut die CD grandioserweise natürlich auch nicht. Nur auf meiner Xbox, da ging sie klaglos. Das geilste ist jedoch eure lässige Playersoftware, ich habe mir doch tatsächlich die Mühe gemacht, in meinem XP eine Vmware mit XP aufzusetzen!!!
Muss man sich so etwas gefallen lassen? Ich wuerde sagen: Auf keinen Fall!
Wir leben in einer Welt, in der fast alles mediale digital ablaeuft. Es ist technisch moeglich Musik immer und ueberall zu hoeren und diese, um Verlust und Diebstahl vorzubeugen, (fast) verlustfrei zu kopieren.
Doch anstatt sich auf die Beduerfnisse der Kunden einzustellen und das eigene Konzept anzupassen, reagieren die Medienriesen indem sie den Grossteil ihrer Hoehrer als boese Raubkopierer bezeichnen und Krieg gegen die eigene Kundschaft fuehren.
Anstatt die neue Technik fuer ein neues Distributionsmodell zu nutzen und Qualitaet zu foerdern werden CDs mit Kopierschutz bestueckt, der laut Gesetz nicht mal fuer eine Sicherungskopie umgangen werden darf. Es werden Millionen in fragwuerdige Kampagnen und noch viel mehr Geld in Mittel gesteckt, die dem Kunden das Leben schwer machen und verhindern sollen, dass das laengst ueberholte Modell der Industrie zusammenbricht.
Anstatt mal wieder auf Kuenstler mit Niveau zu setzen, werden immer mehr Nullnummern gepusht, die nach ein paar Erfolgen wieder auf der Strasse landen.
Wirklich schade. Was ist nur aus dem Land der Dichter und Denker geworden?
Der ehrliche Kunde bleibt auf der Strecke. Es bleibt einem oft nur die analoge Luecke auzunutzen und die Musik fehlerbehaftet ueber eine analoge Schnittstelle aufzunehmen. Somit sind wir medial wieder in der analogen Welt des 20 Jahrhunderts angekommen. Welch ein Fortschritt ...
Ich persoenlich schaue hier verdammt kritisch, ob eine CD einen Kopierschutz hat. Denn ich moechte die kostbare Silberscheibe nach Moeglichkeit nicht im Auto oder unterwegs im Rucksack mit mir rumtragen muessen wenn ich mal Lust auf Musik verspuere.
Aber schauen wir uns mal die Alternativen an. Es gibt immerhin ja die moeglichkeit Musik "schnell, sofort und superguenstig" in irgendwelchen Online-Musicstores zu kaufen, oder? So wird es einem jedenfalls in diversen Werbespots verspochen.
Was man in Wirklichkeit davon hat:
- kein Booklet
- keine CD
- kein Cover
- verlustbehaftete Komprimierung ergo schlechtere Qualitaet
- DRM
- propritaere und patentbehaftete Formate
Allein schon bei DRM waere bei mir Schluss mit lustig. Es kann einfach nicht sein, dass ich Musik, fuer die ich mein hart erarbeitetes Geld ausgebe, nicht ueberall laeuft wo ich es will. Sei es nun auf Linux, Windows, BSD oder auf dem mp3-Player, im Auto oder auf dem DVD Player.
Ein sehr passendes Bild zu der Thematik habe ich hier gefunden:
Also das war dann schon mal nichts. Auch die Kaeufer von Apple Playern scheinen hier der selben Meinung zu sein.
Hier versucht die Aktion "Wir haben bezahlt" Werbung fuer guenstige und drm-freie Musik zu machen. Ob dies gelingt ist die andere Frage.
Alternativ kann ich allerdings die "Pimp my rights" des CCC Regensburg empfehlen, die durch CDs und kostenlose Downloads auf Musik unter CC-Lizenzen aufmerksam machen moechte.
Und genau hier sehe ich auch sehr viel Potential. Es gibt ne Menge Kuestler, die einfach Musik machen weil es ihnen Spass macht und nicht weil sie damit Millionen scheffeln wollen. Darum veroeffentlichen sie, allein weil sie Spass daran haben und gehoert werden wollen, ihre Musik kostenlos und unter Creative Commons Lizenz.
Um mal wieder vom CCC zu zitieren:
Wo finde ich weitere freie Musik?
Fuer Freunde des Sprechgesangs gibts bei Chilla Chris hier und hier Deutschrap auf hohem Niveau. Leider nicht unter CC aber trotzdem kostenlos.
Gestern bin ich noch hier auf Nerdcore Musik gestossen. Ich bin bis her noch nicht dazu gekommen reinzuhoeren, aber ich denke das koennte auch interessant sein.
Ich stelle nun mal die These auf, dass die Industrie einen Krieg gegen ihre Kunden fuehrt, den sie nicht gewinnen kann und hoffe, dass freie Kuenstler und Kunden, die Musik mit DRM und Kopierschutz boykottieren ihren Teil zur Verbesserung der Situation beitragen.
Abschliessen moechte ich mit einem Zitat, dass ich ebenfalls beim CCC Regensburg gefunden habe:
Wir kennen u.a. Mozart, Beethoven und Bach vor allem heute, weil es damals weder Kopiersperre noch "Intellectual Property" gab. Würden wir sie heute kennen, wenn man Sie nur gegen Geld hätte hören, weitergeben, aufführen und vor allem bearbeiten dürfen? Ich glaube nicht. Die CC-Lizenz erlaubt, allen die Musik zur Verfügung zu stellen, und stellt gleichzeitig sicher, dass die Musik nicht für kommerzielle Zwecke ausgebeutet wird. Sie hat juristische Gültigkeit. Das ist genau was ich will: Ich hätte z.B. keine Freude daran, meine Musik in einem Werbespot für Damenbinden wiederzufinden. Leonard 'paniq' Ritter
moewe2: Ich sag ja nicht, dass jeder seine Musik kostenlos anbieten muss. Aber es gibt genug, die das tun und eben auch gute Musik machen.
Zu deinem Vorschlag: SO etwas waere mal wirklich etwas, das man nutzen koennte.
Musik nur aus Spaß zu produzieren ist aber eine sehr teure Angelegenheit. Es muss auch Möglichkeiten geben, aufwendig produzierte (Stichwort Qualität) Musik gewinnbringend so zu verkaufen, dass die Künstler davon gut leben können (gute Künstler dürfen auch Kohle machen!) und dennoch der Konsument mit seiner Musik anfangen kann, was er will.
Auch in einer modernen Volkswirtschaft gibt es für Güter, an deren Konsum man niemanden hindern kann und bei denen es keine Rivalität im Konsum gibt (=Öffentliches Gut, keine andere Lösung als den staatlichen Eingriff. Wir haben mit der GEMA bereits ein solches Instrument für den Rundfunk. Die Lösung wäre ein GEMA-betriebenes Downloadportal mit Anmeldung, basierend auf freien Standards, dementsprechend moderat höhere GEMA-Gebühren und eine durch die Downloadstatistiken gestützte Vergütung der Künstler.
Man sagt zwar, der Kunde entscheidet über das Produkt, aber die "Kunden" heute will ich garnicht mehr sehen, geschweigedenn darüber reden. Ich kann geradeso den Brechreiz unterdrücken, wenn ich aus Versehen nachmittags das Privatfernsehen sehe...
Moewe2: Absolut, nur leider bedeutet aufwendig produziert noch lange keine Qualität. Ich denke, daß die Bereitschaft, für Qualität zu zahlen durchaus vorhanden ist. Gängelung der Kunden mit Sicherheit nicht der richtige Weg.


